RUZICSKAWEISS



 Bicepteur

NIKLAS NITSCHKE
MIACHEL HOFSTTETTER


Mit dem Titel „Bicepteur“ legen die beiden Künstler eine Spur zu dem Konzept „des Realen“ (Slavoj Zizek). Wenn dieser mit Lacan von „Bicepteur“ spricht, so zielt er auf den Raum zwischen zwei Personen, die sich begehren. Diese Lücke, die weder dem Einen noch dem Anderen zugehört, sondern den ausgeschlossenen Schnittpunkt zwischen den Beiden bildet, ist für beide Künstler der Ort der Kunst, als das Fremde, das das Eigene besetzt.

Diese Fremdheit entwickeln die beiden Künstler an zwei Pieta-Figurengruppen. Der Maria von Nitschke legt Hofstetter seinen Christus auf den Schoß; nach Hofstetters Kopie von Nitschkes Maria folgt dann Nitschke mit seiner „Christuslegung“, die wiederum eine Kopie von Hofstetters Christus darstellt. Zu dem Raum zwischen Maria und Christus, der in einer raffinierten Doppelung zu sehen ist, stellt sich noch ein dritter Zwischenraum: der zwischen den beiden sich gegenüberstehenden Pietas.

Das Motiv der Pieta zitieren Hofstetter und Nitschke auch als Schauplatz abendländischer Produktionsbedingung. Nicht nur der aller Schöpfung und Erneuerung zugrunde liegende Schmerz, nicht nur die Hingabe, nicht nur das Sich-Überwinden: in und durch Maria ist immer auch der weibliche Produktionshintergrund präsent, der sich dem Schöpfergeist opfert. Der Schnittpunkt zwischen Maria und Christus wird zur Scheidestelle. Die Doppelausstellung ist deshalb mehr als ein Dialog zweier Künstler. Sie fragt nach dem Offensichtlichen in der Kunst sowie einem ausgeschlossenen Dritten, das hier zum eigentlichen Spielfeld der Erfahrung gerät. Der Zwischenraum - als einfache Lücke zwischen zwei Perspektiven - zeigt das Umschlagen von Gewissheit in Fremdheit, die Leerstelle, in der der Andere erst im Bewusstsein seiner Uneinholbarkeit erreichbar wird.